Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

heute möchten wir Euch an dieser Stelle den Inhalt des Infoblatts, verfasst von Wolf-Rüdiger Hansen, BUND Kreisverband Frankfurt, zur Verfügung stellen.

Wolf-Rüdiger begleitet dieses Thema – wie auch wir – von Beginn an.  Er hat in seinem Infoblatt, das sich an Bürger und Bürgerinnen, Menschen in der Politik, in Parteien, Ortsbeiräten und Stadtparlamenten richtet, die Fakten und das Ergebnis seiner kritischen Begleitung der Vorgehensweise der Frankfurter Stadtplanung bei dem Planungsprojekt „Neuer Stadtteil an der A5“ im Nordwesten niedergeschrieben.

Wolf-Rüdiger hat die klaren Einschränkungen des Planungsprojektes im Folgenden aufgelistet. Er beklagt zudem die Unwilligkeit der Frankfurter Planer und Politiker, sich mit diesen Einschränkungen angemessen zu befassen (das können wir von unserer Seite ausdrücklich bestätigen) und den Bürgern klare Antworten darüber zu geben, wie diese überwunden werden könnten.

Ohne solche Antworten erscheint es dem Verfasser unsinnig, das Interesse der Menschen im Rahmen der Bürgerbeteiligung gleich auf die mögliche Gestaltung des Baugebietes zu richten (wie hier geschehen). Unsere Initiative hat das Vorgehen der Frankfurter Stadtplaner um Mike Josef von Anfang an beanstandet und daher auch bewusst auf die Mitwirkung an diesen Alibiveranstaltungen  verzichtet!

1. Kaltluft: Die gesamte Baufläche ist ein Kaltluft-Entstehungsgebiet. Diese Eigenschaft ginge bei Versiegelung durch Bebauung verloren – und damit auch die Kaltluftwinde, die insbesondere in tropischen Nächten in die nordwestlichen Stadtteil wehen. Ersichtlich im Frankfurter Klimaplanatlas.

2. Lärmschutzdilemma: Entlang der A5 müsste ein 11 Meter hoher Lärmschutzwall gebaut bzw. der vorhandene Wall entsprechend erhöht werden. Damit könnte auf der Fläche westlich der A5 entstehende Kaltluft weder in die bestehenden noch die neuen Quartiere östlich der A5 wehen.

3. Wasserschutzgebiet (WSG): Über die Hälfte der Baufläche liegt im WSG Praunheim 2, für das ein Festsetzungsverfahren bei der Oberen Wasserbehörde im Gang ist. Dafür werden Bohrlöcher für Messstellen angelegt, die Analysedaten über Grundwasserströme, -mengen, -qualität und Strömungsrichtung liefern. Das Verfahren wird nicht vor 2023 abgeschlossen werden.

4. „Dramatische“ Frankfurter Trinkwassersituation (Ausspruch der Umweltdezernentin): Wenn das Wasserwerk Praunheim wegen schädlicher Grundwassereinträge aus Wohn- und Gewerbehäusern, Schienen und Straßen geschlossen werden müsste, dann fielen 5% des Trinkwassers weg. Die geplanten 30.000 Neubürger würden 5% mehr Trinkwasser benötigen: ergibt 10%. Woher sollen die kommen?

5. Starkregenfälle: Die Stadtentwässerung hat schon mitgeteilt, dass Wasser von Starkregenfällen nach Versiegelung nordwestlicher Flächen mangels Kapazität nicht durch die vorhandenen Kanäle abgeleitet werden kann. Die Architekten reden da von der Schwammstadt. Wie glaubhaft ist das?

6. 380-KV-Höchstspannungsleitung: So eine Leitung verläuft östlich der A5 quer über das Baugebiet. Gemäß Landesentwicklungsplan (LEP) Hessen müssen Wohnhäuser davon einen Anstand von 400 m einhalten. Die Planungen gehen aber von 50 m aus, dabei geht es hier um den Schutz für Menschen vor elektromagnetischen Feldern – besonders für Kinder (Leukämie-Risiko).

7. Wertvoller Lehmlössboden: Auf der gesamten Fläche liegt ein bis zu 12 m tiefer Lehmlössboden mit bester Fruchtbarkeit und hoher Wasserspeicherfähigkeit (Bodenwert 80 von 100). Er sorgt für relativ geringe Ernteausfälle auf den Feldern. Darf man so einen Boden einfach versiegeln?

8. Artenaustausch: Frankfurt feiert in diesem Jahr das 30-jährige GrünGürtel-Jubiläum. Schon in der GrünGürtel-Planung wurden die radialen Grünzüge zwischen GrünGürtel und Umland als notwendige Flächen für den Artenaustausch definiert. Sie sind so schutzbedürftig wie der GrünGürtel selbst.

9. Biotopflächen: Das Umweltamt führt mit wissenschaftlicher Unterstützung der Senckenberg- Gesellschaft und der Goethe-Universität seit vielen Jahren in regelmäßigen Abständen eine Biotopkartierung durch, um die Trends von Flora und Fauna zu verfolgen. Besonders wertvolle Biotopflächen werden auf der Stadtkarte rot markiert. Die Planung des neuen Stadtteils ignoriert solche Flächen. Erscheint das nicht widersinnig?

10. Regionaler Flächennutzungsplan (RegFNP): Die Außengebiete der Kommunen in der Region unterliegen diesem Plan, einem Instrument der Bauleitplanung. Die für den Stadtteil an der A5 vorgesehene Flur ist darin vor Bebauung geschützt: als landwirtschaftliches Vorzugsgebiet, Grünzug, Klimafläche, Grünfläche für den Artenaustausch usw. Um das zu ändern, müsste die Stadt in der Regionalversammlung eine Mehrheit dafür erhalten. Die ist aber nicht erkennbar.

11. Siedlungsbrei: Eine starke Forderung der Umlandkommunen ist, dass die Baugebiete Frankfurts genügend Grünfläche zu ihnen freilassen sollen. Diese Forderung wird von der Planung des Neuen Stadtteils ignoriert.

12. Frankfurter Bogen: Ein Angebot des Hessischen Umweltministeriums für signifikante Fördergelder für die Errichtung der Infrastruktur in Bauprojekten. Potential: ca. 200.000 Wohnungen, die in der Nähe von S-Bahnstationen liegen sollen, von denen aus Bürger in max. 30 Minuten Frankfurt erreichen können. Auch im RegFNP sind ca. 2.000 Hektar Bauflächen ausgewiesen. Antworten auf die Frage: Wo wohnen?

13. Einwohnerstagnation: Frankfurt wuchs zu Beginn der Planung um jährlich ca. 10.000 Einwohner. In 2020 kam es zur Stagnation – wie in anderen Großstädten auch. Das große Wachstum wird nach der Pandemie nicht zurückkehren. Dazu tragen der Trend zum Homeoffice und die noch erschwinglichen Hauspreise im Umland bei. Besteht dann noch die Notwendigkeit für so einen großen Stadtteil?

14. Trabantenstadt: Der neue Stadtteil läge nur weniger Meter von der Bebauungsgrenze der Nordweststadt entfernt, die selbst eine Trabantenstadt ist. Ist es angesichts der Gefahr sozialer Spannungen vertretbar, zwei Trabantenstädte so dicht nebeneinander zu stellen?

15. Metropolstadt: Frankfurt muss nicht allen Menschen, die hier arbeiten, mit Wohnungen versorgen. Dafür bietet Frankfurt andere Dienste, die den Kommunen in der Region Nutzen bringen: Flughafen, Hauptbahnhof, Alte Oper, Theater, Museen, Universitäten und die Commerzbank-Arena.

hier der Link zum Infoblatt als PDF

https://www.bund-frankfurt.de/fileadmin/frankfurt/BfD-Arbeit__NL_und_Homepagearbeit_/Programm_2021/Bilder_Termine/Info-Blatt_V2_Einschraenkungen_der_Stadtplanung.pdf

Ein Hinweis noch zur Sache:

Den Mitgliedern der Regionalversammlung hatten wir Anfang 2018 unsere Broschüre zukommen lassen, die auch auf all diese Punkte eingeht…

Broschüre #Pro Hessen – Feld statt Beton – Initiative Heimatboden vor Frankfurt (heimatboden-frankfurt.de)

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