Die gemeinsame Arbeitsgruppe der CDU-Fraktionen in den Frankfurter Ortsbeiräten 7 (Praunheim, Rödelheim, Hausen) und 8 (Niederursel, Nordweststadt, Heddernheim) engagiert sich seit mehr als zwei Jahren gegen den von der Koalition im Frankfurter Römer geplanten neuen Stadtteil westlich und östlich der A5 mit bis zu 30.000 Einwohnern.

Sie hat sich in einem Appell an die Mitglieder des Regionalverbandes gewandt und diese darum gebeten diese Argumente bei Ihrer Entscheidungsfindung in der Regionalversammlung berücksichtigen! 

Die Arbeitsgruppe übermittelte die „Weißkirchener Erklärung vom September 2018“ welche gemeinsam mit den CDU-Verbänden aus dem Hoch- und dem Main-Taunus-Kreis abgegeben wurde. Die Erklärung enthält wesentliche und unverändert aktuelle Argumente gegen das Vorhaben sowie konstruktiven Vorschläge, wie Wohnungsbau als organisch anschließende Siedlungserweiterung am nordwestlichen Frankfurter Stadtrand schnell möglich ist. 

Unten angefügt ist ein Memo aus dem September 2019, das allen CDU-Kolleginnen und -kollegen in allen Frankfurter Ortsbeiräten zugesandt wurde. 
 

Muss Frankfurt grenzenlos wachsen?

Was gegen eine Großsiedlung an der A5 spricht
 
Großstadt und ländlichen Raum neu denken
 
Trotz der erkennbaren Folgen wirbt die Wirtschaft mit überdurchschnittlichen Löhnen die Leistungsträger des ländlichen Raumes ab. Die Großstädte ergänzen dieses Verhalten durch massive Subventionierungen von Wohnungen. 
Ein Umdenken auch hier in Frankfurt am Main muss stattfinden. Großstadt und ländlicher Raum müssen neu gedacht werden.
Doch der Frankfurter Planungsdezernent fordert, einen neuen Stadtteil für 30.000 Menschen im Nordwesten von Frankfurt mit der Autobahn als Mittelpunkt zu bauen, obwohl im Regionalen Flächennutzungsplan (RegFNP) noch rund 2.000 ha bebaubare Fläche zur Verfügung stehen. Nicht einmal ¼ der möglichen Flächen sind seit der Genehmigung des RegFNP 2011 tatsächlich bebaut worden!
 
Klima – Frankfurt muss eine hausgemachte Überhitzung verhindern!
 
Frankfurt ist seit 2018 die „heißeste Stadt Deutschlands“. Am Pfingstberg und an der A5  will die Frankfurter SPD mit Wohnbebauung breite Frischluftschneisen zubetonieren. 
Eine Bebauung der Ackerflächen behindert nicht nur die kühlenden Fallwinde von Wetterau und Taunus, die Versiegelung sorgt außerdem dafür, dass eine durch die Felder erzeugte nächtliche Abkühlung, die über die Nidda-Auen ganz Frankfurt und speziell die Stadtteile am Anlagenring und letztlich die City nachts erreicht, nicht mehr möglich ist.
Nicht nur der Verfasser des Frankfurter Klimaplanatlasses, Prof. Lutz Katzschner (Kassel), weist auf die fatalen Folgen für das Klima in Frankfurt/M hin, auch die Vertreter des Umweltamtes bestätigten die Auswirkungen. 
 
Starkstrom – Gesundheitliche Folgen beachten!
 
Das Untersuchungsgebiet wird von einer 110 kV Starkstromtrasse westlich der Autobahn sowie einer 110 kV und einer 380 kV Starkstromtrasse östlich der Autobahn durchschnitten. Das Land Hessen schreibt für neue Wohnbebauung einen Abstand von 400 Metern vor. Aus gutem Grund: Studien zeigen, dass es bspw. zu vermehrten Leukämie-Erkrankungen bei Kindern kommen kann.
Nun versucht der Planungsdezernent mit dem Land Hessen darüber zu verhandeln, diesen Sicherheitsabstand zu verringern. Dieses Verhalten können wir nicht nachvollziehen.
Völlig ignoriert wird offensichtlich auch die überregional bedeutsame Gasleitung, die sich unter den Feldern befindet und bewusst entfernt von jeglicher Wohnbebauung verlegt wurde.  
 
Landschaftsschutzgebiete erhalten!
 
Die Nordweststadt war als Stadtrandsiedlung geplant. Die Freiflächen im Voruntersuchungsgebiet sind ihre Naherholungsflächen und Zugänge zur Natur. Allen Ortes beklagen wir den Rückgang von Natur, insbesondere der Artenvielfalt, aber auch den Verlust von naturnahen Erlebnisräumen für die Stadtbevölkerung. In dem Planungsgebiet befinden sich Gebiete, die als Landschaftsschutzgebiet Zone II klassifiziert sind, sowie Ausgleichsmaßnahmen für vorherige Eingriffe in die Natur. Diese in Frage zu stellen, wird Folgen für spätere Generationen haben.
Ist als nächstes der Grüngürtel an der Reihe? Und was ist mit dem Pfingstberg? Kommt das Baugebiet an der A5, wird der Pfingstberg wieder in den Fokus rücken!
 
Boden – 1 cm entsteht in 100 Jahren
 
Die Politik begrüßt die Wichtigkeit einer Nahversorgung mit Lebensmitteln. Doch nun soll zwischen Niederursel und Steinbach fruchtbarster Ackerboden für immer versiegelt werden. Neben dem hohen Ertrag sind auch die gute Speichermöglichkeit von Wasser und geringerer Düngereinsatz zu nennen. Die Entwicklung einer ein Zentimeter mächtigen Bodenschicht kann weit über 100 Jahre dauern. Der Mensch ist auf solche guten Böden angewiesen. Alles, was wir zu uns nehmen und tragen, stammt vom Boden ab. Wir wollen im Nordwesten Frankfurts eine Zukunft mit der Landwirtschaft!
 
Wasserwirtschaft – Kopfloser Umgang mit Trinkwasser 
 
Eine wachsende Stadt benötigt immer mehr Trinkwasser. Doch die Untersuchung für das städtebauliche Vorhaben stellt die Trinkwasserbrunnen in Praunheim in Frage, obwohl das zuständige Fachamt der Stadt Frankfurt erklärt, dass auf sämtliche Brunnen und auf das Wasserwerk Praunheim II nicht verzichtet werden kann. Frankfurt/M stellt lediglich ¼ seines Trinkwassers für die gesamte Stadt bereit. Der größte Teil kommt somit heute schon aus dem Umland. Im Regelbetrieb erfüllt das Wasserwerk Praunheim derzeit neben der reinen Bereitstellung von ca. 3.000 m³/d Trinkwasser die Aufgabe, durch die Versorgung des Wasserbehälters Praunheim als Hochpunkt den erforderlichen Netzdruck sicherzustellen. Dieser ist für die Trinkwasserversorgung unter anderem der Stadtteile Heddernheim, Niederursel und Nordweststadt erforderlich. In sogenannten „Hochverbrauchsphasen“, etwa bei Trockenheit, speist das Wasserwerk Praunheim aktuell sogar bis zu ca. 12.000 m³/d Trinkwasser in das gesamtstädtische Versorgungsnetz ein. Eine massive Flächenversiegelung östlich und westlich der A5 verringert nicht nur die Trinkwassermengen für Frankfurt, durch fehlende Versickerungsmöglichkeiten entstehen bei Starkregenereignissen auch zusätzliche Hochwasserrisiken für Praunheim und Niederursel.
 
Verkehr – Stau und neue Verkehrsinfarkte
 
Alle Ortsbeiräte sehen täglich, dass die Stadt die Verkehrsprobleme nicht in den Griff bekommt. Die Aussage, das geplante Baugebiet an der A5 sei verkehrlich gut erschlossen, ist falsch. Auf die stets versprochene Entlastungsstraße für Praunheim warten die Bürger seit 80 Jahren. Hier weicht Stadtrat Mike Josef einfach aus, indem er dazu nichts sagt! Den Bau der Südumgehung Weißkirchens blockiert Frankfurt seit Jahrzehnten. Auch der öffentliche Nahverkehr und speziell die U-Bahn Richtung Hauptwache ist an Kapazitätsgrenzen. Das gilt auch für die mögliche U7-Verlängerung bis Steinbach, die nur den Westrand des Planungsgebietes streift, und die S5, die bald bis Usingen fährt und im Berufsverkehr nach offizieller Auffassung des Magistrats schon an der Grenze der Leistungsfähigkeit ist. Wie sollen diese Linien noch ein ganzes Mittelzentrum mit geplanten 30.000 Einwohnern anbinden?
Wohnen 2. Klasse für Menschen 1. Klasse?
 
Es ist erfahrungsgemäß problematisch, wenn in Hochhaussiedlungen nicht auf eine soziale Durchmischung geachtet wird. Wenn Menschen keine Freiräume mehr für Hobbies, Spaziergänge und Erholung haben. Die in der Konzeptkarte von Stadtrat Josef eingezeichneten Grünzonen zwischen den sieben sogenannten „Quartieren“ können den Verlust an attraktiven Freiräumen für die bereits ansässige Bevölkerung nicht kompensieren. Wenn es kein Grün mehr gibt und Menschen auf engstem Raum „zusammengepfercht“ werden, führt das über kurz oder lang auch zu sozialen Problemen. Müssen zudem vom Magistrat sowohl das Abstandsgebot zu den Hochspannungsleitungen als auch die Landschaftsschutzgebiete beachtet werden, können diese 30.000 Menschen nur in einer sehr verdichteten und am Ende kostspieligen Hochhausbebauung untergebracht werden. Es ist zynisch von der SPD, gegenüber Krankenschwestern und Polizisten zu behaupten, dort werde zukünftig genau für sie und ihr kleines Portemonnaie gebaut!    
 

Deshalb:

 

Für eine Stadtplanung und Baupolitik mit dem klassischen Augenmaß der CDU.
Keine neuen „Trabantenstädte“ – 
 Neubaugebiete an urbane Zentren anbinden.

Bestehendes Baurecht für Neubaugebiete zügig umsetzen. – Innenentwicklung zuerst: Nachverdichtungen mit Maß, Dachaufstockungen, Leerstände

Eigentumsbildung besser fördern: Frankfurt ist zu sehr eine Mieterstadt!

Zusammenarbeit mit der Region verbessern, kein „Siedlungsbrei“.

Ländlichen Raum stärken und besser an Frankfurt/Rhein-Main anbinden.

Naherholungsgebiete für bestehende Stadtteile erhalten.

Gute Ackerböden für die heimische Landwirtschaft erhalten.

Hitzesommern vorbeugen – Kaltluftschneisen und Kaltluftentstehungsgebiete erhalten.

Gesetze ernst nehmen: Abstandsregelungen im Landesentwicklungsplan einhalten.

Stadtplanungspolitik und Verkehrspolitik besser aufeinander abstimmen.

Frankfurt lebenswert erhalten für alle Generationen! 

 
2 Kommentare
  1. Petra Weihönig sagte:

    Nur die Klimaveränderungen bis 2030 zu berücksichtigen ist absurd und zeigt wie dilettantisch das ganze Projekt betrieben wird. Bis zu diesem Termin wird die „Josefstadt“ noch gar nicht fertig sein (auch nach eigenen Aussagen der Betreiber). Man vermeidet bewußt längerfristige Klimaprognosen, um dem Super-Gau durch diese Baumaßnahme nicht ins Auge sehen zu müssen. Und wenn dann über den neuen Stadtteil „positiv“ entschieden wurde, ist es den Verantwortlichen sowieso egal wie die Klimaveränderungen einzuschätzen sind.

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  2. Karl-Josef Rühl sagte:

    Das Klimagutachten, für den geplanten neuen Stadtteil der Quartiere, berücksichtigt nur die Klimaveränderungen bis 2030.
    Ein längerer Zeitraum soll erst bewertet werden, wenn über den neuen Stadtteil entschieden wurde.
    Was hat also das vorgestellte Klimagutachten überhaupt für einen Wert?
    Bei den anderen Gutachten sieht es wohl ähnlich aus.

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