Von einer besorgten Bürgerin erhielten wir die nachfolgende Zuschrift per E-Mail und die Erlaubnis, den Text auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Lesen Sie hier den vollständigen und unveränderten Text, auf Wunsch der Verfasserin ohne Namensnennung. 

„Josefstadt“

soll, wenn ich richtig informiert bin, der geplante neue Stadtteil am Rande Frankfurts heißen. Das kam in der Hessenschau. Eben habe ich nochmal im Internet gestöbert. Natürlich wäre das kontraproduktiv, wenn gerade dort eine Häuserschlucht in die Landschaft gepflanzt würde. Und ja, Sie haben recht: Ist erst einmal diese Schwelle überschritten, bauen die noch mehr, denn dann ist das Land ja nicht mehr schützenswert.

Da könnte ich Ihnen einige Beispiele im Landkreis Offenbach nennen, wo ich lebe. Erst wurde entgegen aller Bedenken und Proteste Natur- bzw. Brachgelände versiegelt, nur damit dem Gebiet der Schutzwert aberkannt wurde, und schließlich folgten mit Jahren Abstand weitere Gebäudekomplexe (Industrie).

Und so gammelt versiegelte Fläche vor sich hin…

Man brauche ja Einnahmen, und außerdem würden dadurch einige Arbeitsplätze geschaffen (was meiner Meinung nach nicht im Verhältnis zur Investition steht; außerdem ist es für die Firmen nicht bindend, Leute aus dem Ort einzustellen). Nur: Warum hat man den Interessenten keins von den zahlreichen leerstehenden Industriegrundstücken angeboten? Da ist alles zu haben: Bürogebäude, Lagerhallen, Fertigungshallen. Die Antwort war lapidar: Es gebe neue Vorschriften für Parkfläche für Mitarbeiter, denen die alten Grundstücke nicht mehr entsprechen. Und so gammelt versiegelte Fläche vor sich hin…

Und diese Idylle soll nun zerstört werden!
Das mit den Plänen der Stadt Frankfurt, ein Außengebiet aus Äckern zu zerstückeln und als Wohnfläche zu bebauen schockiert mich. Als mein Bekannter noch in Bockenheim gewohnt hatte, hatten wir mit den Fahrrädern ab und zu einen Abstecher außerhalb gemacht – bis vor Eschborn, in der Nähe von Steinberg (Steinbach).

Damals sagte ich noch: „Hier ist eines der wenigen Gebiete von Frankfurt, wo man seinen Blick noch weit schweifen lassen kann. Hoffentlich bleibt das so.“ Es waren zwar Hochhäuser zu sehen und Autobahnen zu hören, aber weit weg. Und diese Idylle soll nun zerstört werden!

Kapieren denn die Herren Planungsdezernenten nicht, was sie nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen rauben würden? Psychologisch benötigt der Mensch Grün um sich. Das beruhigt und lenkt das Denken weg von den zahlreichen Alltagsquerelen mit den eigenen Artgenossen (Darüber gibt es doch eine Studie!). Sonst hat man ja nur noch miteinander zu tun, Tiere und Pflanzen wären geheimnisvolle Exoten. Nur noch Häuser und Straßen und Menschen um sich herum wäre überhaupt nicht lebenswert!

Es werden immer mehr an den Außenflächen bebaut.

Ich und mein Bekannter sind ja schon vor 12 bzw. 9 Jahren aus Frankfurt weggezogen, weil es uns nicht mehr gefiel. Wir bekommen ohnehin keine Arbeitsstellen mehr, zu unqualifiziert und zu alt. Da konnten wir gleich aufs Land ziehen. Aber was müssen wir jetzt sehen: Unsere Städte (wir wohnen je an den äußeren Rändern, in Industrie-Wohn-Mischgebieten; für die Strecke, die wir mit dem Fahrrad brauen, uns zu besuchen – u.a. auch durch einen kurzen Wald – brauchen wir 22 Minuten, durch einen Großstadtdschungel würden wir für die gleiche Strecke gut 45 Minuten benötigen) werden immer mehr an den Außenflächen bebaut.

Die Bessergestellten dürfen weiterhin ihren Egoismus kultivieren.

Für Industrie, zum Wohnen. In den Mittelstädten – insbesondere in den Einfamilienhausvierteln gibt es dagegen die Situation, dass viele alte Menschen alleine in einem großen Haus leben. Einst hatten sie mit einer Familie darin gewohnt; dann zogen die Kinder aus, es kam Scheidung, und die mittelalten Söhne und Töchter haben längst eigene Häuser. Das der Eltern wollen sie gar nicht (solange sie ihre ‚Füße unter deren Tisch gestreckt‘ hatten, waren sie ja abhängig, und diese Erinnerungen verknüpfen sie mit dem Haus der Eltern). Es geht also vor allem um persönliche Freiheit. Einst wird ihre Häuser das gleiche Schicksal ereilen. Ist das nicht Verschwendung? Armen Leuten sagt man, sie müssen sich mit allem abfinden, die Bessergestellten dürfen weiterhin ihren Egoismus kultivieren.

Es gäbe jede Menge bereits bebauten Platz als Wohnfläche, und wenn es brachliegende Industriekomplexe sind, die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr vermietbar sind. Ganz bestimmt auch in Frankfurt. Warum wird lieber großer Aufwand gemacht, um neue Infrastruktur zu erschließen (Zufahrtstraßen, Bushaltestellen, Bürgersteige, Gas-/Wasserleitungen, Strom-/Telefon-/Glasfaserkabel), anstatt in Gebieten mit vorhandener Infrastruktur hässliche alte Industriegebäude abzureißen? Man muss die Gebäude nicht übernehmen und ‚entkernen‘, man kann auch komplett neu bebauen. Dort würden sich auch keine alten Anwohner über Kinderlärm beschweren.

Eine „Josefstadt“ ist nicht notwendig. Zumal die wichtigen Kühlluftschneisen unterbrochen würden. Das würde doch auch die Lebensqualität vieler Menschen herabsetzen! Damit hätte man anstatt Not zu lindern, neue Not mit unübersehbaren Folgen geschaffen. Opfer wären wieder einmal die Menschen der Unterschicht.

Deshalb bestärke ich euch: wehrt euch gegen diese sinnlose Natur- und Landschaftsverschandelung!

1 Kommentar
  1. Karlheinz Grabmann sagte:

    Danke für diesen wunderbaren Beitrag, er spricht mir aus dem Herzen. Ich habe gestern auch meine Emotionen (Gefühle) bei der Vorstellung der Gutachten zum Ausdruck gebracht. Wenn Sachargumente nicht mehr nutzen, dann müssen die Herzen sprechen!

    Antworten

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