Erste Antworten auf Anschreiben

Von Heinz Rühl, 6.9.2017

„Am 16. August habe ich den Bürgermeistern der Städte Frankfurt, Oberursel und Eschborn sowie den Landräten des Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreises meine Bedenken wegen der Planung des neuen Stadtteils und der damit einhergehenden Vernichtung von wertvollem Ackerland und Freizeitflächen schriftlich übermittelt.

Von Landrat des Main-Taunus-Kreises Cyriax erhielt ich einen Zwischenbescheid, demnach ist man noch mit der Prüfung der Fakten beschäftigt.
 
Als bisher einziger der Angeschriebenen hat Bürgermeister Geiger aus Eschborn meinen Brief am 28. August 2017 beantwortet. Er teilte mir mit, dass er die von mir vorgetragenen Bedenken nachvollziehen kann. 
 
Meine Argumente und seine Stellungnahmen dazu habe ich hier für alle Interessierten mal aufgelistet.
 
Viele Grüße
Heinz
 

Bürgermeister Geiger aus Eschborn hat meinen Brief am 28. August 2017 beantwortet:

Heinz Rühl:
Sicher ist es erforderlich, neuen Wohnraum für die wachsende Stadt Frankfurt zu schaffen. Es erschließt sich mir aber nicht, warum dafür nicht erst einmal die bestehenden Baulücken in Frankfurt selbst geschlossen werden? Sicher ist es für die Planer einfacher, ein neues großes Gebiet zu erschließen (und damit die Landschaft unwiederbringlich zu zerstören), als sich die Mühe zu machen,  für 10 verschiedene Gebiete in Frankfurt einzelne Pläne zu erstellen.

Bürgermeister Geiger:
„Die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum im Ballungszentrum Frankfurt und Umgebung ist natürlich sehr wichtig. Nur so kann der steigenden Preisentwicklung entgegengewirkt und der zunehmenden Urbanisierung Rechnung getragen werden. Auch in Eschborn nehmen wir die Problematik von steigenden Miet- und Grundstückspreisen sehr ernst. Daher wird auch sozialer Wohnungsbau in Eschborn bei neuen Wohnprojekten realisiert werden.“

Heinz Rühl:
Die von der Planung betroffenen Flächen werden derzeit größtenteils landwirtschaftlich genutzt und tragen somit für eine stadtnahe Versorgung der Bürger bei. Die Böden verfügen über eine besondere Güte und wären im Falle der Bebauung für immer verloren. Gutachten belegen darüber hinaus die Wichtigkeit für die Frischluftzufuhr für die Stadt Frankfurt, auch wenn dies jetzt -offensichtlich aus politischen Gründen- teilweise bestritten wird.

Bürgermeister Geiger:
„Ich bin jedoch ganz klar der Meinung, dass ein Spagat zwischen der Aufstellung und Realisierung von neuen Bauprojekten einerseits und Umwelt- und Naturschutz andererseits gefunden werden muss. Ebenso steht fest, dass die Landwirtschaft nicht großflächig zerstört werden darf. Eine Frischluftzufuhr für den Vordertaunus und Frankfurt ist unabdingbar. Die bei einer Realisierung des Projekts entstehende Klimaproblematik sehe ich ebenfalls kritisch. “

Heinz Rühl:
Die Planung, den neuen Stadtteil auf beiden Seiten der A5 zu errichten erscheint aufgrund der damit erforderlichen hohen Investitionen für Lärmschutzmaßnahmen nicht bis zu Ende gedacht. Der Ausbau der A5 auf zehn Fahrbahnen wird für zusätzlichen Verkehrslärm sorgen, der nicht unterschlagen werden darf. Bereits jetzt gibt es, je nach Windrichtung, eine hohe Lärmbelastung für die angrenzenden Gebiete. So stellt sich Frage, wie diese Belastung für beide angrenzenden Seiten auf ein erträgliches Maß reduziert werden kann?

Bürgermeister Geiger:
„Bezüglich der angesprochenen Lärmbelästigung bin ich gespannt, wie die Planer der Stadt Frankfurt diesem Thema begegnen wollen. Aus meiner Sicht ist eine Bebauung an der A5 auf Frankfurter Seite, also südlich der Autobahn akzeptabel. Eine Bebauung darüber hinaus lehne ich jedoch ausdrücklich ab.“

Heinz Rühl:
Die hehre Intention der Stadt Frankfurt, preiswerten Wohnraum zu schaffen kann ich ja nachvollziehen. Ich frage mich allerdings, warum dies in Form eines Retortenstadtteils erfolgen soll. Das Beispiel der Nordweststadt sollte zu bedenken geben. Aktuell baut die Stadt doch eher für Wohlhabende und vertreibt die alten Bewohner (Osthafen, Gallusviertel) an den Stadtrand. Diese Entwicklung kann ich nicht gutheißen!

Hierauf ist Herr Geiger nicht explizit eingegangen. Er schloss das Antwortschreiben wie folgt:

„Ich werde unsere Einwände und Bedenken natürlich vorbringen und geltend machen. Daneben verfolge ich auch das Ziel,  it unseren Nachbarkommunen eine gemeinsame Position zu finden. Dahingehend habe ich bereits Kontakt mit dem Bürgermeister der Stadt Steinbach, Herrn Dr. Stefan Nass, aufgenommen. Unsere Nachbarkommunen Steinbach und Oberursel sehen die Ambitionen der Stadt Frankfurt ebenfalls mit Sorge.“

Vielen Dank an dieser Stelle an Herrn Geiger!

Bleibt noch zu  erwähnen dass die anderen Angeschriebenen jetzt eigentlich ausreichend Zeit hatten mein Schreiben zu beantworten. Schauen wir mal … , oder besser noch , ich schicke nochmal eine Erinnerung.“

 
 

2 Gedanken zu „Erste Antworten auf Anschreiben

  1. Was für ein Wahnsinn! Was für fadenscheinige Argumente! Es betrifft mich nicht direkt und ich hoffen, daß ich nichts von alledem noch erleben muß. Die Wohnungssituation in Frankfurt verfolge ich seit den 1970ger Jahren, mit Kopfschütteln. Wenn das Gebiet ca. 1972 zu Frankfurt kam – mit der Maßnahme, es nicht zu bebauen – warum jetzt doch?
    Ich wünsche Ihnen allen sehr viel Kraft und Durchhaltevermögen, wehren Sie sich möglichst lange. Manchmal hilft Schimpfen bei uns ja doch noch.

    Herzliche Grüße und dickes Daumendrücken aus Kassel

    von der alten Gisela Rockenschuh

  2. Ich hatte den Musterbrief auf Ihrer Internetseite als Anregung für ein eigenes Schreiben genutzt, das ich Anfang September an den Frankfurter Oberbürgermeister, den Ortsvorsteher des Frankfurter Ortsbeirates 8 (Nordwest) sowie drei für meinen Wahlkreis zuständige Landtagsabgeordnete (Frau Wissler, Herrn Caspar und Herrn Grumbach) geschickt habe. Bis jetzt gab es lediglich eine Reaktion des Frankfurter Oberbürgermeisters, der mir mitteilte, dass mein Schreiben zur Prüfung und Beantwortung an das zuständige Dezernat weitergeleitet wurde. Auf inhaltliche Rückmeldungen warte ich also ebenfalls noch.

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